Donnerstag, 22. September 2016

Zeitfresser


Also na gut, um jetzt noch mal auf diese lange Pause zurückzukommen. Ich bin da nicht ganz ehrlich gewesen. Natürlich kann ich alles auf die kleine Prinzessin schieben. Aber als sie knapp 2 Monate alt war, ist etwas passiert, was für den Fortbestand dieses Blogs noch dramatischer war. 

Ich habe mir ein Smartphone angeschafft.

Eigentlich wollte ich nie ein Smartphone. Ich hatte da so eine dunkle Vorahnung. Die auch irgendwie richtig war. Aber dann ging mein altes Handy kaputt und mein Vertrag lief aus. Der Verkäufer, der schlaue Fuchs oder gemeine Hund, je nach Betrachtungsweise, hatte im Marketingseminar offensichtlich gut aufgepasst. "Du, diese alten Telefone mit Tasten, die gibt es bald gar nicht mehr. Die gibt es dann nur noch für die ganz alten Leute." Die ganz alten Leute??? Das konnte ich selbstredend nicht auf mir sitzen lassen. "Und Du, so ein Smartphone ist auch ganz einfach zu bedienen. Kann sogar ich." Ok, den letzten Satz hat er nicht wirklich gesagt. Aber er zeigte mir das funkelnde Teil, wischte einmal in die Richtung drüber, dann noch mal mit dem Finger runter, es blinkte und glitzerte und das war's. Schöne neue Welt. Ich war verloren.

Es hat nicht lange gedauert. Wirklich nicht. Was habe ich nur vorher mit meiner ganzen Zeit gemacht?! Abendessen kochen für die Kinder? Ach, nur noch mal schnell Facebook checken. Ruft da gerade eines von den kleinen Lieblingen nach mir? Ich komme gleich, nur noch kurz Piano Tiles zu Ende spielen, bin kurz vorm persönlichen Rekord!

Aber jetzt habe ich mich mittlerweile viel besser unter Kontrolle und kann mich wieder voll auf den Blog konzentrieren. Moment, war das gerade eine WhatsApp-Nachricht? Muss ich nur noch mal ganz kurz beantworten...


Dienstag, 13. September 2016

Erziehungsziel Bestechung

Eine Schultüte ist eigentlich auch Bestechung.
Es ist ja so: Nach reichlich 10 Jahren Erfahrung in der Kindererziehung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man im Wesentlichen drei Möglichkeiten hat, um seinen Kindern den eigenen Willen aufzuzwingen zu vermitteln.

Erstens: Man überzeugt mit guten Argumenten. Wenn man aber dann zum hundertsten Mal erklärt hat, dass die bösen Zahnmännlein die Zähne kaputt machen und die Zahnbürste immer noch trocken bleibt, ist man ganz schnell bei der zweiten Möglichkeit.

Zweitens: Androhung von Strafen. Ja, die Wirksamkeit wird von Experten gern immer wieder angezweifelt, aber die möchte ich dann bitte mal zu uns einladen. "Wenn ihr jetzt nicht gleich die Zähne putzt, gibt es den Rest der Woche kein iPad mehr!" Funktioniert bestens (wenn es nicht zu inflationär benutzt wird). Und wie erklärte mir der Grosse erst dieser Tage: "Mama, ist doch eigentlich gut, dass ich ein iPod habe, sonst wüsstest du gar nicht, was du mir wegnehmen sollst."

Und dann natürlich noch Drittens: Knallharte Bestechung! Auch die dritte Methode sollte nur sparsam und für größere Ziele verwendet werden, sonst erwarten die lieben Kleinen für jedes Mal Zähne putzen eine Packung Gummibärchen danach. Was das Putzen ja dann irgendwie obsolet machen würde. Aber zum Beispiel mit einer Schultüte kann man ein Kind gut in die fremde Schule locken.

Kürzlich jedoch kam ich an meine Bestechungsgrenzen. Wir benötigen ein Foto für den Reisepass der kleinen Prinzessin. Ein Besuch beim Fotografen war höchst erfolglos. Auch größerer Einsatz von mir (ich lag zwischenzeitlich auf dem Boden des Fotografen und versuchte die Kleine nach oben zu halten), brachte kein befriedigendes Ergebnis. Also versuchte ich das Ganze daheim in entspannterer Atmosphäre.

"Wenn du dich jetzt schön dahin stellst, bekommst du diese Tüte Gummibärchen von mir." Nur, mit knapp zwei Jahren versteht man Bestechungsansinnen noch nicht. Mist, Mist, Mist.

Oder? "He Kleiner, zeig mal der kleinen Prinzessin wie das geht. Hinstellen, Foto, Gummibärchen."

Nachahmung ging dann ganz gut. Sie stellte sich hin, wo ich sagte. Und dann grinste sie in die Kamera "Cheese". Ach nee jetzt, auf Passbildern darf man doch nicht lachen! Aber die Gummibärchen musste ich ihr doch geben. Denn mitgemacht hatte sie ja dann. Auch wenn das Ergebnis immer noch suboptimal war.

Dienstag, 6. September 2016

Schulanfang



Der Geruch von frisch eingeschlagenen Büchern, jungfräulich leere Schulhefte und frisch angespitzte Stifte im Federmäppchen. Schulanfang ist doch etwas Schönes. Es ist so was wie ein zweites Neujahr, an dem man mit lauter guten Vorsätzen startet.

Und gute Vorsätze habe ich auch. Nachdem die kurze Pause auf diesem Blog immer länger wurde und schließlich mehr als zwei Schuljahre andauerte, dachte ich mir, dass ein Schulanfang ein guter Moment für eine Wiederaufnahme ist. Denn zu schreiben gibt es immer noch viel.

Eigentlich sollte die Pause nie so lang werden. Aber zuerst kam noch ein viertes kleines Baby in unsere Familie. Dann schlief sie schlecht. Dann wollten die anderen Kinder Aufmerksamkeit. Dann wurden die Wäscheberge immer größer. Und je länger die Pause andauerte, umso schwieriger wurde es. Aber jetzt soll es sein!

Nach so einer langen Pause sollte ich uns vielleicht noch einmal vorstellen:
Da wäre zunächst der Große (früher der kleine Autofanatiker). Autos mag er zwar immer noch, aber seine Interessensgebiete sind mittlerweile weiter gestreut. Wobei, so genau weiß ich das eigentlich auch nicht, an seiner Tür hängt ein großes "Keep out" Schild und so oft sehen wir ihn da nicht rauskommen. Er ist zwar erst 10, aber verhält sich schon wie ein Teenager (zumindest denke ich das, ich habe ja noch keine wirkliche Erfahrung mit Teenager-Kindern).

Der Mittlere ist 8 und immer noch so lustig wie eh und je, wenn er gute Laune hat, und mit Hang zum großen Drama, wenn sich die Dinge nicht nach Plan entwickeln.

Der Kleine wird bald 5 Jahre alt und fängt jetzt mit der Schule an. Als er 2 Jahre alt war und wir zu einem Vorsorgetermin waren, meinte die Fürsorgerin: "Der Junge spricht nicht genug." Das hat er sich offensichtlich zu Herzen genommen und seitdem nicht mehr aufgehört zu sprechen. Er spricht mit allen Menschen. Schüchternheit kennt er gar nicht. Wenn er nicht eine Hausgeburt gewesen wäre, müsste ich annehmen, man hätte ihn im Krankenhaus vertauscht.

Und dann wäre da noch die kleine Prinzessin. Sie kam auf den Tag genau drei Jahre nach dem Kleinen auf die Welt und wird von allen entsprechend verwöhnt. Ihre Wutanfälle lassen bereits jetzt die Wände erzittern, wenn sie doch einmal nicht ihren Willen bekommt.

Im Haus befinden sich auch noch die leidgeprüften Eltern, der Engländer und ich. Aber wir fallen bei dem ganzen Krach nicht weiter auf.

Dienstag, 1. Juli 2014

Ein Fisch names Henry

Selbstverständlich möchte ich mich auf meinem Blog nicht mit fremden Federn schmücken, aber ich möchte euch doch nicht die wunderbare Geschichte vorenthalten, die der Mittlere (in Kürze 6) am Wochenende geschrieben hat.


Es lebte einmal ein Fisch namens Henry. Er lebte mit seiner Familie im Meer. Eines Tages ging die Familie jagen. Leider starb dabei sein Vater. Glücklicherweise trafen sie einen anderen Fisch. Er sagte: "Darf ich euer Daddy sein?" Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. The End.


Ah, so viel Tragik und so viel Glück in so wenigen Worten. Da könnten sich manche Autoren und Redner ein Beispiel daran nehmen. Literaturnobelpreis hier kommen wir (Ob er Mama in seiner Dankesrede erwähnen wird? Ich hoffe es!).

Dienstag, 24. Juni 2014

Können Kinder noch ohne Internet leben?

Hier kommt die Frage des Tages: Wie wichtig ist das Internet für einen Achtjährigen? Nein, das ist keine Frage, die ich mir stelle, weil ich mir vielleicht Gedanken darüber mache, dass meine Kinder zu viel Zeit damit verbringen, auf YouTube Minecraft-Videos anzugucken. Das ist stattdessen eine Frage, mit der sich mein Achtjähriger anscheinend beschäftigt. Kürzlich wollte der kleine Autofanatiker nämlich von mir wissen: "Mama, wenn Du Dich entscheiden müsstest zwischen mir oder dem Internet, wofür würdest Du Dich entscheiden?"


Wie kommt ein Kind nur auf solche Fragen? Statt mich zu fragen, wie denn nun eigentlich das Baby in Mamas Bauch kommt, was eine völlig verständliche Frage wäre (und die bis jetzt noch von keinem Kind kam) soll ich mich zwischen Sohn und Internet entscheiden. Nicht, dass ich mich darüber beschwere. Das fällt mir die Antwort wesentlich leichter, als die Sache mit den Bienen, Blumen und Störchen zu erklären.


Er hat sich dann gefreut, dass ich mich also für ihn entscheiden würde und meinte, dass er sich im Falle des Falles auch für mich entscheiden würde. Papa würde er auch dem Internet vorziehen, allerdings mit der Begründung, dass Papa ja auch das ganze Geld verdient, dass wir zum Leben brauchen und das ist dann vielleicht doch nicht so ein großes Kompliment für den Papa. Richtig schwierig wurde es dann bei seinem nächstjüngeren Bruder, mit dem er zwar am allerschönsten spielen kann, aber der ihn in der Familie auch am allermeisten nerven kann. Da musste er erst eine Weile überlegen und war sich dann nicht ganz sicher, aber eventuell würde das Internet im Zweifelsfall doch besser sein als der Mittlere. Vielleicht ganz gut, dass man manche Entscheidungen im Leben nicht wirklich treffen muss.

Montag, 9. Juni 2014

Unsere kleine Farm

Hätte mir das jemand vor zehn Jahren prophezeit, als ich noch in London wohnte und  meine Idee eines Ausflugs aufs Land darin bestand von Nordlondon auf die andere Seite der Themse zu fahren, hätte ich laut gelacht und das für völlig unmöglich gehalten, aber es ist so: Seitdem wir auf dem Land wohnen, habe ich mich schön des Öfteren dabei ertappt, am Sonntagabend "Countryfile" anzuschauen, einer Sendung, in der es um neueste Entwicklungen in der Landwirtschaft geht.

Gestern nun war "Tag des offenen Bauernhofs". Also verbrachten wir den Sonntag auf einem Bauernhof in unserer Nachbarschaft. Schauten uns die Kühe, Schweine, Schafe und Hühner an. Fuhren auf dem Traktor. Staunten darüber, wie riesig Mähdrescher so aus der Nähe sind. Und hatten einen Riesenspaß dabei. Nein, nicht nur die Kinder. Ich auch.

Jetzt frage ich mich aber schon: Was kommt als Nächstes? Steht demnächst eine Kuh in unsererm Garten? Obwohl, vorige Woche im "Countryfile" ging es darum, wieviele Leute jährlich von Kühen verletzt werden. Da sollte ich besser doch noch mal darüber nachdenken. Eine Zwergziege wäre ohnehin der Größe des Gartens angemessener. Einen Traktor (allerdings in Kindergröße) haben wir auch schon. Es kann mit unseren eigenen kleinen Farm bald losgehen. Aber vielleicht bleibe ich auch einfach beim "Countryfile"-Anschauen. Fürs Erste.


Samstag, 10. Mai 2014

Wie sich die Zeiten ändern

Zunächst einmal möchte ich auf meinen Post von vier Jahren hinweisen:


Dienstag, 11. Mai 2010

Geburtstagsparty

Geburtstagsparty für einen Vierjährigen:
Lustige Spiele mit meinen Freunden.
Geschenke.
Kuchen.
Wissen, dass man jetzt ein großer Junge ist.

Geburtstagsparty für eine Mutter:
26 Eier
1500gr Mehl
1100 gr Zucker
5 Stück Butter
Daraus 5 Kuchen backen.
Dabei nicht die Kinder anschreien, weil sie ein Ei auf den Boden geworfen haben.
Girlanden aufhängen.
Das Haus von oben bis unten putzen.
Betten für die 7 Übernachtungsgäste beziehen.
Dabei nicht die Kinder anschreien, weil sie auf den Bettern herumhüpfen.
Partygeschenke kaufen und einpacken.
Spiele vorbereiten.
Zum dritten Mal am gleichen Tag in den Supermarkt fahren, weil man wieder was vergessen hat.
Luftballons aufblasen.
Karten mit Danksagungen schreiben.
Wissen, dass man im nächsten Jahr jemanden dafür bezahlt, sich um die Feier zu kümmern.

Ach wie anstrengend war das damals! Auch der 6.Geburtstag war noch schlimm genug.

Diese Woche feierten wir den 8. Geburtstag des kleinen Autofanatikers. Und alles war plötzlich anders.

Er hatte drei Freunde eingeladen. Und Mama sollte sich plötzlich überhaupt nicht mehr sehen lassen. Hurra, hurra, hurra! Ich durfte keine Spiele vorbereiten. Ein paar Luftballons, die ich aufgeblasen hatte, wurde ignoriert. Gnädigerweise wurde mir erlaubt, die Pizza in den Ofen zu schieben und ein Stück vom Geburtstagskuchen (fertig gekauft) abzuschneiden. Ansonsten sah ich die Jungs den Rest des Nachmittags nicht. Ein voller Erfolg für alle!