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Donnerstag, 10. November 2011

Der Brief

Als ich das Baby heute aus dem Kindergarten abholte, verzogen sich meine Mundwinkel nach unten. Er hielt einen Briefumschlag in der Hand mit seinem Namen. Ich wusste sofort, was das bedeutete. Nein, keine Abmahnung vom Kindergarten, kein blauer Brief. Es war schlimmer, viel schlimmer: es war seine erste Party-Einladung.

Als der kleine Autofanatiker das erste Mal zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wurde, waren wir ja alle noch ganz aufgeregt. Zwei Jahre und ungezählte Geburtstagsfeiern später hält sich die Begeisterung nun in Grenzen. Zwar bleibt er zumindest inzwischen allein auf den Partys, aber trotzdem verbringe ich genügend Zeit als Taxifahrerin an den Wochenenden. Und wer kümmert sich immer um das Geschenk? Ich natürlich!

Jetzt geht es also auch bei dem Baby damit los. Wie soll das erst in ein paar Jahren werden, wenn Brownie auch zu Geburtstagen eingeladen wird? Wahrscheinlich werde ich dann jedes Wochenende die Kinder zu den verschiedenen Geburtstagsfeiern kutschieren dürfen, ein eigenes soziales Leben werde ich nicht mehr haben, schließlich werde ich ständig damit beschäftigt sein, von A nach B zu fahren, und das gesamte Kindergeld wird in Geburtstagsgeschenke investiert werden.

Dienstag, 4. Mai 2010

Soziale Minenfelder

Es gibt ja so einige Sachen, da weiß man schon vorher, dass es unangenehm wird und anstrengend. Geburten zum Beispiel und Weisheitszahnoperationen, Fahrprüfungen, mit jemandem Schluss machen oder mündliche Vorträge in Mathe (wenn man in Mathematik so begabt ist wie ich). In diese Kategorie gehören eindeutig auch Einladungen zu Feiern. Dornröschen zum Beispiel musste immerhin 100 Jahre schlafen, weil sie die falschen Leute zu ihrer Taufe eingeladen hat.

Ich hoffe, es geht mir nun nicht gleich wie Dornröschen (obwohl, 100 Jahre schlafen klingt für mich eigentlich eher nach einer Belohung), aber der kleine Autofanatiker hat am Freitag Geburtstag und es kommt mir ein bisschen vor, als würde ich mit den Einladungen zu seiner Geburtstagsparty auf sozialen Minenfeldern tanzen.

Minenfeld Nummer 1 sind die anderen Kinder aus dem Kindergarten. Müssen wir nun alle Kinder einladen, wie einige der anderen Kinder oder zumindest alle Kinder, die uns eingeladen haben? Der kleine Autofanatiker war da überhaupt keine Hilfe. Wenn gefragt, wollte er entweder gar niemanden einladen oder nur seinen kleinen Bruder und nur manchmal einen Jungen aus dem Kindergarten, aber eigentlich änderte er seine Meinung aller fünf Minuten. Am Ende habe ich mich entschlossen (und nach Rücksprache mit allen Müttern in meiner Selbsthilfegruppe), die drei Jungs einzuladen, die in seinem Alter sind und mit denen er sich angefreundet zu haben scheint. Die Mädchen, die den kleinen Autofanatiker eingeladen hatten, habe ich nicht eingeladen, weil er nun so gar nicht mit ihnen befreundet zu sein scheint. Und riskiere damit wahrscheinlich ewige Verdammnis in der Kindergartenschlange. Aber das soll es mir wert sein, auch wenn ich mich in Zukunft eventuell nur noch mit Sonnenbrille und Kopfverhüllung vor den Kindergarten traue.

Brisante Einladung Nummer 2, die einiges Nachdenken erforderte, sind unsere Nachbarn. Wie bereits berichtet, wohnt im Haus nebenan ein kleines Mädchen im gleichen Alter. Sollten wir sie einladen? Immerhin gehen beide ab September zusammen in die Schule. Wo ist denn da das Problem, höre ich euch fragen? Das Problem ist, dass sie zwei Wochen vorher Geburtstag hat und wir keine Einladung zu ihrem Geburtstag bekommen hatten. Wenn wir sie nun aber nun einladen würden, würden sie sich dann gezwungen gefühlen, uns auch einzuladen? Eine solchermaßen erzwungene Einladung wollte ich eigentlich nicht, aber der kleine Autofanatiker wollte sie gern einladen. Aber hier ging eigentlich alles gut aus: zwar luden wir sie ein und zwar bekamen wir am nächsten Tag wie erwartet eine Gegeneinladung, aber da wir im Urlaub waren, konnten wir mit gutem Gewissen absagen.

Und so ist das mit unserer ganz alltäglichen Politik unter Müttern und den Fettnäpfchen, denen ich auszuweichen versuche. Nächste Woche werde ich berichten, ob es sich gelohnt hat.

Dienstag, 26. Januar 2010

Happy birthday to meheeee

Gestern war mein Geburtstag. Um es kurz zu machen: irgendwie hoffe ich nicht, dass das neue Lebensjahr so weiter geht, wie es begonnen hat.

Zunächst einmal jedoch zwei kleine Nachträge:

1. Die Engländer verstehen tatsächlich Spaß - heute hörte ich im Radio einen Bericht, wie man legal sein Schlagloch vor der Haustür flicken kann. Wie ich vorige Woche berichtete, weigern sich ja die Kommunen dies zu tun.

2. Kindergeburtstagsfeier - am Sonntag waren wir zu einem Kindergeburtstag von zwei Mädchen aus dem Kindergarten. Thema: Märchen. Bei unserer Ankunft tobten ungefähr 40 Prinzessinnen durch die Turnhalle, wo das Fest stattfand. Der kleine Autofanatiker wagte sich kaum hinter meinem Hosenbein hervor. Die Feier selbst beinhaltete mehrere sehr gut organisierte Spiele (mit zeitlichen Vorgaben), Bastelarbeiten (ebenfalls genau nach geplanter Zeit), vorgedruckte Namensschilder für alle Kinder, eine reich gefüllte Tüte für die kleinen Gäste zum Mit-nach-Hause-nehmen (u.a. mit selbstgebastelten Namenslesezeichen) und schließlich eine Märchenerzählung anhand einer extra für die Feier erstellten Power-Point-Presentation! Klingt als würde ich übertreiben? So etwas könnte man sich gar nicht ausdenken! Es wird Zeit, dass ich langsam beginne, den 4. Geburtstag des kleinen Autofanatikers zu organisieren, er ist schon in 5 Monaten.

Doch zurück zu meinem eigenen Geburtstag. Es war einer von jenen Geburtstagen, an die man sich in ein paar Jahren sicher nicht mehr erinnern kann (im Gegensatz zu meinem 25. Geburtstag, an den ich mich zwar am eigentlichen Geburtstag nicht erinnern konnte - ich war auf dem Land in Neuseeland und mit der Zeit-und Datumsumstellung ein bisschen durcheinandergekommen - was im Nachhinein jedoch unvergesslich wurde). Im Grunde war es einer von jenen Tagen, wo man sich am Abend fragt "Was habe ich heute eigentlich gemacht?", obwohl man den ganzen Tag keine Minute still sitzt. Von diesen Tagen scheine ich als Mutter viele zu haben.

Doch ich will nicht klagen. Am Vormittag war die Putzfrau da, während ich in Ruhe meine Geschenke auspackte und liebe Post las. Jede Frau sollte eine Putzfrau an ihrem Geburtstag haben, die den ganzen Kinderdreck wegmacht! Und obwohl mein Geburtstagskuchen immer noch im Supermarkt liegt, weil der große Autofanatiker ihn zwar gekauft, aber dann vergessen hatte, ihn auch mitzunehmen, sollte ich mich doch darüber freuen, dass er überhaupt daran gedacht hatte. Auch dass sich der kleine Autofanatiker fast direkt über mein Geburstagsabendessen übergeben musste, konnte ich durch geschickte und schnelle Intervention verhindern. Es hätte also schlimmer kommen können.

Was jedoch richtig nervig war, war meine sich zunehmend verschlimmernde Erkältung (Grippe? Schweinegrippe??) bis ich schließlich abends mit Schüttelfrost ein heißes Bad nahm und ins Bett kroch, wo ich dank der Medikamente auch schnell einschlief. Nach einer Stunde jedoch wachte ich putzmunter wieder auf. Anscheinend hatten die Tabletten auch eine aufputschende Wirkung (was sich heute am Tag zumindest als sehr positiv erwies). Zwei Stunden, viele Gedanken über das Leben, 100 Seiten in meinem Buch und einen Trip zum Kühlschrank später konnte ich meinen Körper davon überzeugen, es doch noch einmal mit Schlafen zu versuchen. Heute abend vertraue ich nur auf einschläfernde Medizin, die den Namen "Nightnurse" (also Nachtkrankenschwester) trägt. Vorher wollte ich jedoch noch Grüße von meinem Krankenbett senden.

Und lasst mich mit einer heitereren Bemerkung schließen. Heute nachmittag erklärte ich dem kleinen Autofanatiker, dass ich "krank bin, mir ist es gar nicht schön." Worauf er im Brustton der vollsten Überzeugung erklärte: "Doch Mama, du bist schön." Was macht da schon ein Lebensjahr mehr oder weniger?

Dienstag, 20. Oktober 2009

Geburtstagsfeiern gestern und heute

Vor ein paar Wochen brachte der kleine Autofanatiker zwei Einladungen zu Geburtstagsfeiern aus dem Kindergarten mit nach Hause. Ich hatte zwar keine Ahnung, wer die Kinder waren, aber schließlich waren die Einladungen ja auch nicht für mich. Die eine Feier begann um 13.10 Uhr. Als ich das las, dachte ich mir schon, dass sie anders werden würden, als die Geburtstagsfeiern meiner Kindheit.


Damals, vor vielen Jahren, als ich noch ein Kind war, lief eine Geburtstagsfeier bei uns so ab: man durfte seine besten Freundinnen einladen (in meinem Fall waren das in einem Jahr auch mal 10 Kinder; was das für meine Eltern in unserem kleinen Wohnzimmer hieß, weiß ich eigentlich erst jetzt zu würdigen), auf der Einladung bat man darum "Hausschuhe und gute Laune" mitzubringen, aber selbstverständlich brachten alle auch noch ein Geschenk mit. Mutter stand in der Küche und sorgte für die Verköstigung der kleinen Gäste, Vater spielte mit den Kindern ein paar Spiele. Nach ein paar Stunden gingen alle wieder nach Hause.


Doch das war damals. Heute ist heute. Und heute ist so manches anders. Am vergangenen Wochenende war es dann so weit. Pünktlich um 13.10 erschienen wir am angegeben Treffpunkt, einem Hallenspielplatz, den die Familie des Geburtstagskindes gemietet hatte. Für die Geburtstagsgeschenke stand ein großer Wagen bereit, in dem alle Geschenke gesammelt wurden und die auch nicht während der Feier ausgepackt wurden. Danach durften die Kinder (es waren insgesamt 20 an der Zahl) bis genau 14 Uhr durch die Halle toben. Die Mütter unterhielten sich in der Zwischenzeit.


"Und was habt ihr für den nächsten Geburtstag geplant?" fragte ich eine Mutter.

"Ach, weißt du, ich dachte, wir buchen vielleicht den Alleinunterhalter, der am letzten Tag im Kindergarten war. Aber was mache ich, wenn der letzte Minute absagt?" antwortete sie mit leichter Panik in den Augen.


Um 14 Uhr wurde die gesamte Gesellschaft in ein Nachbarzimmer geführt, wo eine lange Tafel mit Kinderstühlen vorbereitet war und auf jedem Platz stand eine kleine Papiertasche mit Chips, Safttüte und Schokolade und dann gab es noch Sandwiches und Obst für alle. Alle Kinder stürzten sich begierig darauf. Die Mütter unterhielten sich in der Zwischenzeit. Dann wurde noch Happy Birthday gesungen und die Kerzen auf der Geburtstagstorte ausgeblasen, von der die Mütter dann auch ein Stück bekamen.


Pünktlich um 14.45 Uhr war die Feier beendet und alle durften wieder nach Hause gehen. Zum Abschied gab es für alle Kinder noch ein kleines Geschenk (in diesem Fall eine Tiermaske und Seifenblasen).


Die zweite Feier verlief recht ähnlich.

Bei mir sind nach diesen zwei Feiern vor allem zwei Fragen offen geblieben:

1. Verlaufen deutsche Kindergeburtstage heute auch so gut organisiert und mit Geschenk für die Gäste?

Und 2. Heißt das nun, wir müssen das zum nächsten Geburtstag vom kleinen Autofanatiker auch so machen??? Offensichtlich habe ich zum letzten Geburtstag alles falsch gemacht. Wahrscheinlich erzählt man sich jetzt noch von diesem Geburtstag, wo es am Ende keine Geschenke für die Kinder gab. Allerdings waren da keine Kinder aus dem Kindergarten eingeladen sondern nur Freunde von uns allen, also ging das vielleicht gerade noch. Aber beim nächsten Mal? Müssen wir dann auch alle Kinder aus dem Kindergarten einladen? Etwa auch das Kind der Oberhyänin??? Oder nur die, die uns auch eingeladen haben? Naja, zum Glück sind es ja noch ein paar Monate.

Mit der Idee jedoch, die Kinder nicht im eigenen Haus zu haben, sondern jemanden für Verköstigung und Bespaßung zu bezahlen, kann ich mich sehr gut anfreunden. Jetzt muss ich nur noch den großen Autofanatiker davon überzeugen. Naja, auch dafür sind es noch ein paar Monate Zeit.