Der Sonntag ist ja nun ein Feiertag und an solchem sollte man wohl etwas machen, woran man Freude hat.
Wir taten am vergangenen Sonntag genau das:
- der große Autofanatiker fuhr zu einer Autoausstellung mit allen möglichen tollen Autos, die ich nicht mal vom Namen her kenne;
- der kleine Autofanatiker ging zu einer Geburtstagsfeier von einem Schulfreund (und, oh Wunder, er blieb sogar allein dort und spielte ganz vergnügt mit seinen Freunden, während Mama, hin- und hergerissen zwischen Mutterstolz und Sentimalität, dass ihr kleiner Junge nun wirklich groß wird, wieder nach Hause ging um ihn später abzuholen);
- das Baby fuhr Zug (eigentlich wollten wir in den Kindergottesdienst, aber den verschlief er, doch egal, das Zug fahren hat ihm auch Spaß gemacht);
- und ich? Na schön, meine Sonntagsfreude ist die Peinlichste, aber ich berichte sie trotzdem. Ich habe die Waschmaschine saubergemacht. Mit Essig und einer Zahnbürste. So richtig geschrubbt. Und wie schön war das. So befriedigend. Eine Aufgabe, die einen Anfang und ein Ende hatte (im Gegensatz zu meiner sonstigen Hauptalltagsbeschäftigung Kindererziehung) und am Ende hat man auch wirklich ein positives Resultat gesehen. Vielleicht täusche ich mich ja, aber meine helle Wäsche heute scheint wirklich weißer zu glänzen als noch vorige Woche.
Oder vielleicht sollte ich wirklich öfter mal das Haus verlassen. Nächste Woche verreise ich. Es ist wirklich an der Zeit, bevor ich mir am Sonntag den Kühlschrank vornehme.
Dienstag, 22. März 2011
Dienstag, 15. März 2011
Guter Rat ist schwer zu finden
Als ich mit dem kleinen Autofanatiker schwanger war, verfiel ich in den Bann von Elternratgebern. Sei es in der Form von Büchern oder Zeitschriften. An keinem Zeitschriftenladen konnte ich damals vorbeigehen. Überschriften wie "So haben sie eine schmerzlose Geburt" oder "10 Schritte zum glücklichen Baby" wirkten magisch auf mich, schließlich wollte ich sowohl eine schmerzlose Geburt (nach zwei Geburten kann ich nun dazu sagen Hahaha) als auch ein glückliches Baby.
Daran hat sich bis heute im Grunde nichts geändert. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass in einer Zeitschrift dieses und in der anderen jenes behauptet wird, Elternzeitschriften wirken immer noch wie eine Droge auf mich und manches Interessantes habe ich auch schon erfahren und gelernt. Doch gelegentlich da frage ich mich schon, wer schreibt das denn? Da las ich kürzlich in einem Artikel, dass man mit seinen Kindern täglich zwei Stunden an die frische Luft gehen sollte und das stand unter der Überschrift - und jetzt kommt's - "Entstressen Sie Ihren Alltag". ??????? Bitte? Haben die Autoren des Ratgebers einen besonderen Humor, den ich nicht verstehe?
Der Gedanke, dass ich auch noch zwei Stunden Zeit finden soll, mit meinen Kindern rauszugehen, entstresst mich komischerweise überhaupt gar nicht. Und dabei bin ich noch nicht mal berufstätig. Was ist dann erst mit den Müttern, die Kinder und Job vereinbaren?
Ich würde mir einen ehrlichen Artikel wünschen, in dem Ratschläge stehen wie:
-Es ist auch mal ok, das ständige Erzählen der Kinder zu ignorieren, damit man in Ruhe eine Tasse Tee trinken kann.
-Es müssen nicht immer pädagogisch wertvolle Spielsachen sein, die Kinder mit einem Monstercomic mit absolut nutzfreiem Plastikspielzeug glücklich zu machen, ist auch mal schön.
-Frische Luft ist gut, aber wenn es eben den ganzen Tag regnet, dann werden die lieben Kleinen nicht gleich bleibende Schäden davontragen, wenn die einzige frische Luft auf dem Weg vom Auto zum Haus ist.
Das würde mich entstressen.
Dienstag, 8. März 2011
Glitze, glitze, klebe
Es war einmal ein kleines Mädchen, die wohnte in einem Land, das es heute gar nicht mehr gibt. Ab und zu, an besonders hohen Feiertagen, bekam das kleine Mädchen eine Mark geschenkt und zwar eine richtig gute Mark, eine Westmark. Mit dieser ging das Mädchen dann in einen Laden, in dem es so gut roch, wie nirgends sonst in ihrem Heimatland. Lange, lange betrachtete das Mädchen alle die wunderbaren Sachen, die es in diesem Laden gab um schließlich mit einem Bogen Aufkleber das Geschäft glücklich wieder zu verlassen. Nie hätte das Mädchen auch nur im Traum daran gedacht, diese Aufkleber tatsächlich zu verkleben. Und wenn der Leim nicht inzwischen vertrocknet ist, dann kleben sie noch heute.
Meine Söhne nun, eindeutig Kinder der Marktwirtschaft und als solche von materialistischen Dingen nicht so leicht zu beeindrucken, kleben ihre Aufkleber auf alles, was sich nicht schnell genug wegbewegt. Auf Wände, Türen, Schränke, Menschen, Jacken, Tassen. Einfach überallhin. Und natürlich gibt es Aufkleber heute nicht nur an hohen Feiertagen sondern jedes Kinderheft enthält Dutzende, bei jedem Arztbesuch gibt es einen Aufkleber, in der Schule gibt es sogar Aufkleber mit dem Namen der Lehrerin, die die Kinder für gute Leistungen bekommen. Natürlich dürfen diese Aufkleber nie von den Pullovern entfernt werden. So wurde aus dem kleinen Mädchen von damals, das ihre Aufkleber liebte, eine Aufkleberhasserin.
Neulich jedoch machte ich eine überraschende Entdeckung. Ganz nach dem Motto, wenn man schon das Übel nicht beseitigen kann, dann sollte man es sich wenigstens zu Nutze machen, versprach ich den Kindern einen Aufkleber, wenn sie mir beim Aufräumen helfen würden. Und siehe da: aus zwei muffeligen Jungs, die gerade eben noch keinen Finger krümmten, wurden zwei hochmotivierte Helfer. Nur woher sollte ich jetzt gleich die Aufkleber nehmen? Mit einem Erfolg hatte ich ja eigentlich gar nicht selbst gerechnet. Ich fand zwei alte Aufkleber auf einem Bogen, den die beiden kurz vorher noch selbst auf alle möglichen Dinge geklebt hatten und war mir eigentlich sicher, dass sie die ablehnen würden, aber da: Überraschung Nummer 2 - stolz klebten sie sich die Dinger an ihre Pullover. Das soll noch einer verstehen. Ich tue es zwar nicht, aber habe fest vor, das bald wieder zu benutzen.
Mein Return on Investment
Stundenlang mussten ihre Töchter täglich Instrumente üben. Alles schlechter als die Note 1 wurde als Schande für die Familie angesehen. Treffen nach der Schule mit Freunden waren verboten. In dem kürzlich auf Deutsch erschienenen Buch von Amy Chua („Die Mutter des Erfolgs. Wie ich meinen Kindern das Siegen beibrachte.“) beschreibt die US-amerikanische Yaleprofessorin und Tochter chinesischer Einwanderer, wie sie mit chinesischem Erziehungsdrill ihre Kinder auf Höchstleistungen trimmte.
Obwohl für Eltern hierzulande sicher nicht ohne Weiteres nachvollziehbar (in Amerika wurde sie auch als Monstermutter angegriffen), so gibt es doch Aspekte, die westlichen Mittelschichteltern bekannt vorkommen dürften. Auch bei uns herrscht das Diktat, das Beste aus den Kindern herauszuholen. Wo chinesische Eltern Leistung in ihre Kinder hineinpumpen, ist es bei uns die Erwartungshaltung, alles für das Kind tun zu wollen (oder müssen). Erst Stillen natürlich, auch wenn es Schmerzen bereitet, die Bedürfnisse des Kindes über die eigenen stellen, mit Förderkursen ab dem Kleinkindalter die Freizeit organisieren. Das Projekt Kind muss gemanagt werden, damit es erfolgreich ist.
Der Druck auf die Eltern (mal ehrlich: die Mütter) ist hier wie da groß. Und neben dem hehren Ziel, dass es unsere Kinder einmal gut haben sollen, geht es doch im Grunde auch darum, dass sich der Aufwand lohnen soll. Für die Opfer, die man seinen Kindern bringt, möchte man etwas zurückbekommen. Ein Return on Investment bitteschön. Natürlich ist die Idee nicht neu, Kinder wurden lange als die beste Altersversicherung gesehen. Doch neu ist wohl der Aufwand, der betrieben wird, um unseren Nachwuchs erfolgreich zu machen. Eine Mutter, die einen Karriereknick für ihre Kinder in Kauf nimmt, möchte wissen, dass die Anstrengung nicht umsonst war.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich das nicht verstehen kann. Und trotzdem: Mein schönster Return on Investment ist das Lachen meiner Kinder, die Arme, die sich um meinen Hals legen und der klebrige Kuss auf meiner Nase, die vor Aufregung rot gefärbten Wangen meiner Jungen, wenn sie etwas besonders spannend finden. Dann weiß ich, es ist gar kein Opfer, dass ich meine Berufstätigkeit eingeschränkt habe, um für meine Kinder da sein zu können, sondern ein Glück. Dann weiß ich, dass ich keine Superkinder brauche, um mich selbst zu bestätigen und zu rechtfertigen. Nur um ihrer willen möchte ich sie dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden.
Dienstag, 15. Februar 2011
Schulschnipsel
Vorige Woche gab es in der Schule einen Kuchenverkauf zugunsten einer Diabetesstiftung. Was kommt als Nächstes? Eine Weinverkostung für die Anonymen Alkoholiker?
Damit verabschiede ich mich in die Winterferien, die wir dringend nötig haben. Bis in zwei Wochen!
Damit verabschiede ich mich in die Winterferien, die wir dringend nötig haben. Bis in zwei Wochen!
Dienstag, 8. Februar 2011
Peng, peng, peng
Es heißt ja immer, dass Jungs schießen spielen müssen. Auch wenn man versucht, sie pazifistisch zu erziehen, irgendwann hört man diese kleinen Worte "Peng, peng, peng" einfach aus dem Kinderzimmer erschallen. Bei uns ist es seit dem Schulbeginn des kleinen Autofanatikers ein tägliches Vorkommen. Am Anfang habe ich versucht, ganz wie ich es in Erziehungsratgebern gelesen habe, es zu ignorieren und nicht zum Thema zu machen. Jungs bleiben einfach Jungs und so weiter. Meine Geduld ist jedoch begrenzt und naja, was soll ich sagen, wer in meinem Haus schießt, wird ausgeschimpft. Was natürlich keinen vom "Peng, peng, peng" abhält. Immerhin hat der kleine Autofanatiker den Anstand zu behaupten: "Das ist doch eine Eismaschine und damit spritze ich dir Eis in den Mund.", wenn ich das Zimmer betrete.
Aber ab und zu hätte ich auch gern mal so ein Schießgewehr, wie es in dem alten Volkslied vom Fuchs und der gestohlenen Gans heißt. Denn ich hätte große Lust diese roten Tiere mit einem "Peng, peng, peng" zu verjagen. Überall trifft man sie und mir kommt es so vor, als würden sie ständig ein Stückchen näher rücken und immer mehr die Existenz der Menschen ignorieren. Neulich spazierte einer am hellichten Tag durch unseren Garten. Heute (ebenfalls am hellichten Tag) kämpften zwei auf einer belebten Straße und ließen sich überhaupt nicht durch hupende Autos stören. Gibt es irgendwann nur noch Füchse? Kommt es zum Krieg zwischen Mensch und Fuchs? Tierschutz hin oder her, mir ist das zu viel Wildleben vor der Haustür.
Der große Autofanatiker meint zwar, ich übertreibe und ich sollte mir mal ein richtiges Hobby suchen (Briefmarken sammeln?), aber mir sind diese unerschrockenen Füchse unheimlich. Und vielleicht bastle ich mir deshalb aus Lego auch mal ein Gewehr. Peng, peng, peng.
Dienstag, 1. Februar 2011
Hände weg vom Spielzeug
Dieser Tag bekam das Baby noch ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Ein ganz tolles Ding: der Zug Thomas als Kohleverlader. Mit Schienen und Kran und kleinen Kohlestücken. Natürlich musste das Paket sofort aufgemacht werden. Die Beschreibung zum Aufbau bestand aus vier Seiten und machte weder in Englisch noch in Deutsch viel Sinn.
Das Baby verlor das Interesse nach fünf Minuten, der kleine Autofanatiker nach weiteren fünf Minuten. Nicht schlimm, dachte ich, jetzt baue ich das Spielzeug erst mal auf und dann können sie zusammen damit spielen. Ungefähr zwei Stunden später war es geschafft. Ich setzte noch die Batterie ein und los gings. Thomas fuhr ganz selbstständig einmal die ganze Runde. Lud dabei Kohlen in seinen Anhänger, dann brachte er sie mittels eines Fahrstuhls zum Abladeplatz, wo sie alle einen kleinen Berg runterkullerten, um schließlich vom Kran wieder hochgehoben zu werden, so dass Thomas sie wieder in seinen Anhänger laden konnte.
Aufgeregt rief ich die Kinder. Das Baby griff als Erstes nach dem Thomas und brachte die Brücke, über die Thomas fahren musste, um die Kohlen aufzuladen, zum Einstürzen. In unmissverständlichen Worten gab ich ihm zu verstehen, dass er sein neues Spielzeug auf keinen Fall anfassen dürfe. Andächtig schauten wir uns dann ungefähr drei Runden des emsig Kohle sammelnden und ausladenden Thomas' an. Eine weitere Minute unterhielten sich beide Kinder damit, Thomas ein fröhliches "Hallo" zuzurufen. Der reagierte jedoch nicht, er hatte ja Wichtiges mit der Kohle zu schaffen. Dann begannen beide Kinder aus dem Karton ein Auto zu bauen. Und ich saß allein vor dem Runden drehenden Thomas.
Jetzt frage ich mich doch aber wirklich: wer denkt sich ernsthaft solche Spielsachen aus? Bunte Plastiksachen, die den Namen Spielzeug eigentlich gar nicht verdienen, denn spielen kann man wirklich nicht damit. Thomas steht jetzt ganz hinten im Schrank und da wird er wohl bleiben. Armer fleißiger Thomas!
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