Dienstag, 16. November 2010

Abendessen mit der Selbsthilfegruppe

Alle Mütter/Kindergruppen, bei denen ich so Mitglied bin (Krabbelgruppe, Schultormüttergruppe, Selbsthilfegruppe), veranstalten regelmäßig gemeinsame Treffen am Abend.

Für nicht ganz so regelmäßige Leser noch mal kurz zum Verständnis: bei der Selbsthilfegruppe handelt es sich nicht um eine Vereinigung der Anonymen Mütter sondern wird nur so von meiner Tante genannt, es handelt sich dabei um eine Gruppe von Müttern, die sich jede Woche reihum bei jemandem im Haus treffen und dann die Gelegenheit erhalten, jenes durch ihre Kinder a) verwüsten und b) auch bis in die Schlafzimmer, die erwachsenen Besuchern normalerweise nicht zugänglich sind, erkunden zu können.

Bei solchen Treffen am Abend hat man natürlich die Gelegenheit sich auch mal ohne Kinder und ganz ungestört unterhalten zu können. Und genau da kann das Problem liegen: denn ohne "Störfaktor" Kind merkt man vielleicht, dass man sich eigentlich gar nicht so viel zu sagen hat, da die Kinder das einzig Verbindende sind und irgendwann ist auch dieses Thema erschöpft.

Neulich war mal wieder so ein Abend mit der Selbsthilfegruppe. Alles sehr nette Mütter und das Gespräch plätscherte so dahin. Genug zu erzählen hatten wir uns durchaus, auch abgesehen von den Kindern. In dieser Gruppe kann man auch sehr gut Themen zum Arbeitsleben, Männer (die eigenen und fremde) und Haarschnitte auswerten. Aber irgendwann war trotzdem der Zeitpunkt gekommen, als alle am Tisch schwiegen. Vielleicht lag es daran, dass es schon nach 21 Uhr war und bei den meisten Müttern nun starke Müdigkeit einsetzte. Aber da hatte plötzlich eine den rettenden Konversationsgedanken: Kinderfernsehen. Ach ja, Kinderfernsehen. Da konnte jeder etwas beitragen. Und die Leidenschaft, mit der das Thema besprochen wurde, ließ durchaus den Rückschluss zu, dass der Kinderkanal den Erwachsenen mindestens ebenso viel Spaß brachte, wie den Kindern.

Der Rest des Abends war gerettet. Und den Konversationsfüller merke ich mir für den nächsten Mütterabend, an dem bestimmt eine Gesprächspause kommt.

Dienstag, 9. November 2010

Kanzlermomente

Es war einmal ein kleiner Junge, der stand vor seiner Schule, rüttelte am Gitter und rief: "Macht das Tor auf." Das erinnerte mich doch sehr an den ehemaligen Bundeskanzler Schröder, der ja, so geht zumindest die Legende, am Gitter des Kanzleramtes gerüttelt und gerufen haben soll "Lasst mich rein." oder so etwas in der Art.

Ob der kleine Autofanatiker nun eine Schulkarriere erwarten kann, wie sie Schröder im Kanzleramt erfahren hat, lässt sich natürlich noch nicht sagen. Sein Rufen wurde auf jeden Fall wesentlich schneller erhöhrt, denn schon einen Moment später kam seine Lehrerin um das Tor zu öffnen.

So wie an jedem Morgen. Da stellen sich alle kleinen Schüler zunächst ganz manierlich in einer Reihe vor dem Schultor auf. Wie sollte es in England auch anders sein?! Wobei ich gerade gelesen habe, dass das alte Klischee vom Engländer, der sich beschwerdelos in einer Schlange anstellt, gar nicht mehr stimmt. In einer Studie wurde festgestellt, dass der gemeine Engländer nach 12 Minuten zu meutern beginnt, Senioren sogar bereits nach 10 Minuten. Trotzdem ist das wohl noch wesentlich länger als das auf dem europäischen Festland üblich ist.

Die Schüler jedenfalls müssen in der Regel gar keine 12 Minuten warten. Ein paar Minuten sind es aber meistens schon. Genug Zeit, um den kleinen Autofanatiker noch einmal vor seinen Freunden zu kusseln. Noch lässt er es ganz unberührt über sich ergehen, aber ich gebe mich da keinen Illusionen hin. Diese Tage sind gezählt. Genug Zeit, für die ersten Raufereien des Tages, wobei man sich gern mal mit Wasserflaschen bespritzt, die Schultasche gegenseitig um die Ohren schlägt oder eben am Schultor rüttelt. Genug Zeit auch, um Mitleid mit den Lehrern zu empfinden, die diese Bande dann für die nächsten Stunden unter Kontrolle halten sollen.

Pünktlich um 8.40 Uhr jedenfalls erscheint die Lehrerin, um das Schultor zu öffnen. Dann stürmen alle Kinder in die Schule und die Mütter und Väter am Schultor gehen freudig ihrer Wege. Bis alle um 15.10 Uhr wieder in einer Schlange vor der Schule stehen (diesmal stehen die Eltern ordentlich in einer Reihe) und ihre nun müden Kinder wieder in Empfang nehmen.

Und wenn sie noch nicht genug gelernt haben, dann kommen sie morgen wieder.

Dienstag, 2. November 2010

Supermamas

Vorige Woche waren wir in Deutschland (weshalb es in der vergangenen Woche auch keinen Beitrag gab, wie vielleicht aufmerksamen Lesern nicht entgangen ist). Wir besuchten unter anderem meine Schwester, die heute vor zwei Wochen ein Baby bekam (herzlichen Glückwunsch zum Zwei-Wochen-Geburtstag liebes Nichtchen!). Ich erinnere mich noch sehr gut, dass wir uns über irgendetwas unterhielten und meine Schwester meinte plötzlich "Das weiß ich nicht mehr. Ich leide unter Stilldemenz." Leider kann ich mich meinerseits nun nicht mehr daran erinnern, aus welchem Anlass genau sie das sagte. Und obwohl ich weder Still- noch Schwangerendemenz für mich in Anspruch nehmen kann, würde ich doch gern eine allgemeine Mütterdemenz geltend machen.

Bevor ich aber nun darüber traurig bin, ist es an der Zeit, in meiner Kiste zu kramen, in der ich Zeitungsartikel aufhebe und wieder einmal einen meiner Lieblingsartikel rauszuholen. Für meine Schwester, für mich und für alle Mütter, denen es ab und zu ähnlich geht.

Vor einiger Zeit stand in der Sunday Times ein Artikel zu lesen, in dem beschrieben wurde, dass die Gehirne von Müttern sozusagen neu vernetzt werden und dass sie leistungsfähiger als jemals zuvor werden. In Tests mit Ratten (hmm, nun gut) fand man heraus, dass neue Rattenmütter mutiger seien und fünfmal schneller Nahrung fanden als Ratten ohne Kinder. Obwohl ich natürlich keine Ratte bin, kann ich das irgendwie nachvollziehen, schließlich müssen neue Mütter sehr viele neue Sachen in ganz kurzer Zeit lernen um ihren Nachwuchs zu schützen. Heißt das dann außerdem auf Menschen übertragen, dass man fünfmal schneller im Supermarkt ist? Hat was! Und das größere Supergehirn soll das ganze Leben anhalten und sogar noch im Alter vor Demenz schützen.

Na also, bei solchen Aussichten, was macht da schon die eine oder andere kleinere momentane Vergesslichkeit. Was wollte ich jetzt gleich noch machen?

Dienstag, 19. Oktober 2010

Männer, Folge 549

Seit ein paar Wochen habe ich eine neue Leidenschaft: eine Gemüsekiste vom Ökobauern. Jeden Mittwoch kommt ein netter Mann und bringt mir eine Kiste voll mit Gemüse, von dem ich bis jetzt zum Teil allenfalls gehört habe. Mangold zum Beispiel. Das Wörterbuch muss ich fast jede Woche bemühen. Und das Internet, um Rezepte zu finden.

Der große Autofanatiker betrachtet die grüne Invasion des Kühlschrankes mit allergrößter Skepsis. Zum Einen handelt es sich um Gemüse, was ihn schon mal mehr als misstrauisch macht. Und dann auch noch Gemüse vom Ökobauern. Wo man noch den Dreck sehen kann. Das macht ihn noch misstrauischer. Er verdächtigt mich, dass ich ihn zum Vegetarier machen möchte. Dass er durch das Essen von biologisch angebautem Spinat zum politisch korrekten "Ökofritzen" mutiert. Das Feindbild im Macholand, wo man einen Sportwagen fährt (oder zumindest davon träumt) und eine Mahlzeit ohne Fleisch keine Mahlzeit ist. 

Aber darf ich mir Hoffnung machen, dass meine Söhne anders werden? Ach was. Natürlich würde ich meinen Jungs nie Spielzeugwaffen schenken. Doch was ist das neueste Lieblingsspiel des kleinen Autofanatikers? Schießen. Die Gewehre werden einfach aus Legosteinen gebastelt. Und als vor einiger Zeit der große Autofanatiker den kleinen fragte "Machst du das dann auch sauber?" (er hatte mit den Schuhen gegen den Autositz getreten), meinte dieser überzeugt "Nein, die Mama macht das. Frauen sind da zum Saubermachen." (Von wem hat er sowas nur??????)

Sogar das Baby, dass immerhin auch gern mit Puppen spielt, pickt sich schon sehr geschickt den Blumenkohl aus dem Essen, um sich dann das Steak in den Mund zu stecken.

Doch ich gebe nicht auf in meiner Mission, meine Männer zu netten Menschen zu erziehen. Mit Pastinaken gegen Machoallüren!

Dienstag, 12. Oktober 2010

Alle Jahre wieder

Liebe Vertreter des Einzelhandels,

heute möchte ich euch mal einen Brief schicken. Obwohl, eigentlich würde ich euch am Liebsten mal ein paar Kinder für ein paar Tage schicken. Mit denen müsst ihr dann in alle bereits seit einigen Wochen weihnachtlich geschmückten Läden gehen. Und dann könnt IHR denen mal erklären, wann es denn endlich Weihnachten wird.

Nach den Fragen "Wann sind wir endlich da?", "Wie kommen die Babys in den Bauch?" und dem 100. Mal "Warum?" in einer Stunde gehört die Frage "Ist morgen Weihnachten?" (drei Monate zu zeitig) eindeutig in die oberen Zehn der gefürchtetsten Kinderfragen.

Zugegeben, Weihnachten lässt sich natürlich durchaus als Druck- äh Erziehungsmittel einsetzen, aber über mehrere Monate hinweg ist es auch nicht mehr so wirkungsvoll.

Also, gebt einfach Bescheid, wann ihr mal ein paar Shoppingtrips mit ein paar Kindern unternehmen wollt. Und ihr dürft ihnen dabei auf keinen Fall Spielzeug oder kleine Schokoladenweihnachtsmänner kaufen. Dann werden wir ja sehen, ob ihr im nächsten Jahr immer noch ab September die Regale mit Weihnachtssachen vollräumt. Ich bezweifle es.

Es grüßt,

eine leicht genervte Mutter

Dienstag, 5. Oktober 2010

Spieglein, Spieglein an der Wand

Gestern stand vor der Schule ein Auto mit offener Motorhaube. Darübergebeugt war eine Frau, die ganz fachmännisch ein Kabel in der Hand hielt. Das allein wäre ja schon ein relativ ungewohnter Anblick gewesen. Noch ungewöhnlicher wurde der jedoch durch die Tatsache, dass die Frau auch noch einen langen Rock und ein Kopftuch trug. Ich musste fast ein bisschen lächeln, weil es so gar nicht mit dem Klischee zusammenpasst, was man im Allgemeinen, und natürlich auch sehr durch die Medien vermittelt, von Muslimas hat.

Ach ja, Klischees. Keiner kann sich ihnen entziehen und oft ist ja auch ein Körnchen oder viele Körner Wahrheit enthalten. Aber manchmal fragt man sich schon, was das soll. Wenn mir zum Beispiel Engländer ein Kompliment machen wollen und sagen, ich sei ja so nett und so gar nicht "deutsch". Dann möchte ich am Liebsten sagen, sie sollten vielleicht mal ihr Klischee von den Deutschen der Realität anpassen, Humor ist durchaus auch in Deutschland bekannt und die Nazis gibt es hauptsächlich im britischen Fernsehen und nicht so sehr in Deutschland (habe ich aber natürlich in Wirklichkeit noch nie gesagt, denn ich bin ja so nett).

Und dann wäre da das Klischee der Mamas. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer schaut mir da entgegen? Sehen mich Leute, die mich erst als Mutter kennengelernt haben, als eine typische Mama? Oder schlimmer noch: als eine MUTTI?? Die Merkmale sind ja durchaus da:
- ich könnte ständig über meine Kinder sprechen, über Schulen, Babykurse, Windeln etc, von dem, was sonst noch so in der Welt passiert, habe ich nur schleierhaft eine Ahnung,
- die Miniröcke wurden gegen praktische Kleidung eingetauscht,
- ich koche und backe für meine Lieben und bügle mittlerweile sogar T-Shirts für den kleinen Autofanatiker,
- ich benutze keine Schimpwörter mehr, spreche auch noch in Kindersprache, wenn die Kinder im Bett sind und ertappe mich öfter dabei, wie ich zum nörgelnden Erziehungsmonstrum mutiere ("Könnt ihr jetzt endlich mal das Zimmer aufräumen!")

Wenn ich in den Spiegel sehe, dann sehe ich zwar nicht unbedingt eine Mama, aber man kann mit schlimmeren Klischees assoziiert werden (schließlich gibt es auch noch positivere Merkmale, als die hier aufgezählten) und eine Mutter bin ich gern. Nur ab und zu tut es gut, auch mal aus dem Klischee auszubrechen und etwas Untypisches zu tun. Nur von dem Motorhauben halte ich mich fern. Da entspreche ich leider total dem Klischee der Frauen, die keine Ahnung von Autos haben (aber wozu lebt man mit zwei Autofanatikern).

Dienstag, 28. September 2010

Schule im 21.Jahrhundert

Selbstverständlich hat sich seit den Tagen, als ich die Schule besuchte, so einiges geändert. Heute sind natürlich alle Klassenzimmer mit Computern ausgestattet. Wo es früher eine grüne Tafel gab, auf der man mit Kreide schreiben konnte (und wo gemeine Klassenkameraden mit den Brotbüchsen so herrlich quietschen konnten, dass ich beim Gedanken daran noch heute Gänsehaut bekomme), gibt es heute eine große Leinwand, die über den angeschlossenen Computer beschrieben wird. Powerpointpräsentationen in der Grundschule? Oh ja.

Und dann wäre da die Art, wie die Schule mit den Eltern kommuniziert. Früher gab es Briefchen mit nach Hause oder man hat sogar, das sollte man sich einmal vorstellen, miteinander gesprochen. Heute gibt es E-Mails. Als ich der Schule meine E-Mail-Adresse mitteilte und damit meine Einwilligung gab, den Newsletter der Schule zugemailt zu bekommen, ahnte ich noch nicht, welche Flut mich da ereilen würde. An den meisten Tagen sind es zwei bis drei Mails, die da in meiner Inbox landen. Und was bekommt man da alles für Sachen mitgeteilt. Die Informationspalette ist breit:

- wir haben Läuse (igitt, zum Glück konnte ich bis jetzt noch keine Kratzaktivitäten auf den Köpfen der Kinder feststellen);
- bitte sprechen Sie nicht mit den Kindern, wenn diese auf dem Pausenhof sind (der am Fußweg liegt), auch wenn Sie die Kinder kennen (????????????? Heißt das, falls ich da also zufällig mein eigenes Kind sehe, muss ich so tun, als würde ich es nicht kennen? Zwischen 9 und 15 Uhr ist es nicht mein Kind? Den Kindern beizubringen, nicht mit Fremden mitzugehen ist ja eine Sache, aber dabei sollte man doch bitte nicht den gesunden Menschenverstand vergessen!);
- erwartungsgemäß gibt es auch Hinweise zum korrekten Tragen der Schuluniform;
- und sogar Hausaufgaben bekommt man per E-Mail mitgeteilt!

Gern würde ich noch weiter berichten, aber gerade bekomme ich wieder eine E-Mail von der Schule. Da muss ich gleich mal lesen, was es Wichtiges mitzuteilen gibt. Vielleicht noch mehr Hausaufgaben für die Eltern.