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Dienstag, 23. November 2010

So viel Heimlichkeit

So manches Mal stellt mich die Erziehung meiner Kinder (oder besser: das Zusammenleben mit ihnen) vor echte Rätsel.

Warum zum Beispiel wissen sie ganz genau, wenn man mal kurz in die Küche schleicht, um heimlich ein Stück Schokolade zu essen oder wenn man mal ganz in Ruhe und ohne Begleitung auf die Toilette gehen möchte, um dann sofort angerannt zu kommen und auf keinen Fall meine Seite zu verlassen. Wenn man jedoch das Zimmer von herumliegenden Spielsachen befreien möchte und dabei die Unterstützung der Kinder anfordert, sind sie nirgendwo auffindbar.

Warum weigern sie sich, mit ihren Spielsachen zu spielen und nörgeln stattdessen, dass ihnen langweilig ist, sobald jedoch ein anderes Kind (Besuch oder Geschwister, das spielt dabei keine Rolle) mit den Sachen spielen möchte, wollen sie auch unbedingt ganz genau mit dem Spielzeug spielen und auf einmal ist nichts spannender als eben dieses Spielzeug.

Und warum, WARUM erzählt ein vierjähriger Junge seinem Papa "Daddy, wir haben dir gerade ein Weihnachtsgeschenk gekauft. Es ist eine Tasse, auf die ich ein Bild gemalt habe.", obwohl ich ihm eine Minute vorher noch eingeschärft habe, dass das ein GEHEIMNIS ist und wir das auf keinen Fall dem Papa erzählen dürfen. Wenn doch der gleiche viehrjährige Junge auf die Frage "Was habt ihr heute in der Schule gemacht?" wahlweise antwortet: "Das habe ich vergessen", "Ich weiß nicht", "Nichts" oder "Das ist ein GEHEIMNIS."???

Antworten werden erbeten.

Dienstag, 29. Juni 2010

Der kleine Unterschied

Kürzlich stand ich mit dem Baby an der roten Fußgängerampel und wartete auf das grüne Männchen. Ich stand als Einzige da. Zu den Fußgängern, die die rote Ampel völlig ignorierten, gehörten zu meinem Erstaunen auch zwei Polizisten. Hätte mir das in Deutschland passieren können? Ich bezweifle es. Und dachte danach wieder einmal über die kulturellen Unterschiede nach.

Zum Beispiel auch im Umgang mit Kindern gibt es die natürlich. Während in Deutschland Kinder oft die absolute Vorrangstellung zu haben scheinen, sieht man das hier alles etwas gelassener und pragmatischer. Hier laufen Kinder einfach so mit und es gibt nicht immer eine Extrawurst für die kleinen Würstchen (ich entschuldige mich für das lahme Wortspiel...).

In Deutschland scheint es mir oft, als müsste man ein gewisses Leidenspotential als Elternteil mitbringen, sonst kann man sich nicht als gute Mutter oder Vater sehen (und damit meine ich nicht nur die Bereitschaft zu unzähligen Besuchen auf Spielplätzen, die ja vielleicht nur bei mir in die Leidenskategorie gehören). Schon vor dem ersten Geburtstag aufgehört zu stillen nur wegen ein paar Brustentzündungen? Das arme Kind. Das Kind zum Essen kochen vor den Kinderkanal gesetzt statt ihm beim gemeinsamen Essen kochen ein paar Worte Spanisch beizubringen? Da hat sich sicher ein Lernfenster für immer geschlossen.

Mein Eindruck ist, dass Kinder in Deutschland ernster genommen werden. Im guten Sinne, dass es nämlich um ihre Bedürfnisse geht und man durchaus auch bereit ist, Opfer dafür zu bringen, aber eben auch im schlechten Sinne, dass man dann Kinder zu sehr zum Mittelpunkt macht, statt sie ins Familienleben zu integrieren, wo Mütter nicht nur Mütter sind, sondern auch mal schlechte Laune haben dürfen.

Hier scheint mir das in dieser Hinsicht alles etwas entspannter. Vielleicht ist es deshalb nicht unüblich, dass Familien 3 oder mehr Kinder haben. Weil man sich eben für sie hier oft nicht so verrenkt und verbiegt, sind auch mehrere Kinder leichter machbar. Das kann dann allerdings auch ins andere Extrem umschlagen, dass Kinder nämlich nicht stören dürfen und es gibt schon eine Art Wettbewerb, nach der Geburt möglichst schnell wieder sein "normales" Leben zurückzubekommen (Teach That Damned Baby What's What So You Can Get Back to Chinning Chardonnay Like the Good Old Days heißt hier zum Beispiel ein Buch, in dem es genau darum geht).

Und ich? Nun, ich wurschtle (ich kann es nicht lassen) mich so durch und suche mir aus beiden Ansätzen das Beste raus. Und erfreue mich an der Heiterkeit, die die Kinder in mein Leben bringen. Wenn zum Beispiel der kleine Autofanatiker zu seinem kleinen Bruder sagt: "Guck mal was ich für einen großen Pipifinger habe." (klingt doch viel schöner als Pullermann oder was man sonst noch so für Begriffe hat)

Dienstag, 1. Dezember 2009

Die Grundsätze der Marktwirtschaft

In meinem Post von vor einigen Wochen bekannte ich mich ja bereits dazu, dass ich gelegentlich Bestechung benutze, um meinen Wunsch und den Willen meiner Kinder zu vereinbaren, d.h. den Willen meiner Kinder dahingehend zu verändern, dass er meinem Willen entspricht. Das kann man natürlich negativ sehen; ich kann mich nicht erinnern, schon jemals in einem Erziehungsratgeber gelesen zu haben, dass Bestechung ein wertvolles Mittel in der Kindererziehung sein soll. Aber ich habe beschlossen, ich werde jetzt nur noch die postiven Seiten sehen. Schließlich vermittle ich damit meinen Kindern ein wichtiges Prinzip der Marktwirtschaft: ich habe etwas, was du willst und dafür gibst du mir etwas, was ich will. Funktioniert in beide Richtungen. Einmal bin ich der Einkäufer, einmal bin ich der Verkäufer. Na also, eines der wichtigsten kapitalistischen Grundprinzipien schon im Alter von 3 Jahren verinnerlicht.

Vielleicht gibt es ja noch mehr gesellschaftspolitische Grundsätze, die ich meinen Kindern im häuslichen Bereich nahebringen kann.

Ganz ohne meine Hilfe haben sie schon sehr schön verstanden, wann man mit der Obrigkeit schön tun muss, um seinen Willen durchzusetzen oder wann lautes Beschweren (d.h. Schreien und Toben) am wirksamsten ist.

Oder wie ist es damit: Regeln des Zusammenlebens in einer Gesellschaft gelten für alle zum Wohle des Einzelnen und wer sie nicht befolgt, muss mit Sanktionen rechnen. Das haben wir Erwachsene selbstverständlich verinnerlicht, sonst würde ja zum Beispiel im Straßenverkehr Chaos herrschen. Kinder dagegen sind von Geburt Anarchisten, die dies erst lernen müssen. Hier kann ich bereits Erfolge melden. Der kleine Autofanatiker kommt mittlerweile in das Alter, in dem er die Regelbefolgung von allen einfordert. So fragt er mich zum Beispiel vor dem Essen manchmal inzwischen: "Hast du auch Hände gewaschen, Mama?" Aber natürlich, sonst müsste ich mir ja selbst den Nachtisch wegnehmen.

Und damit hängt auch eng die goldene Regel des Sozialverhaltens zusammen, die so schön in dem deutschen Sprichwort zusammengefasst wird: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Wenn ich da so einige Monate zurückdenke, als das Baby noch ein richtiges Baby war, dann kann ich durchaus feststellen, dass dieses Gebot der Nächstenliebe erst erlernt werden muss. Oft musste ich da einschreiten. Inzwischen aber ist das Baby kein richtiges Baby mehr, sondern holt sich die Spielsachen auch mal wieder, die der kleine Autofanatiker ihm wegnimmt oder spritzt in der Badewanne zurück mit Wasser und der kleine Autofanatiker bekommt plötzlich eine Ahnung davon, wie es ist, wenn man das einstecken muss, was man austeilt und wird vorsichtiger.

Woran wir allerdings noch arbeiten müssen, ist Diplomatie. Bemerkungen wie "Du bist ein alter Mann, Papa." sind zwar lustig aber selbstverständlich nur solange, wie der Satz nicht auf Mama angewendet wird.

Manches können Kinder daheim lernen, manches nicht. Eines zum Beispiel werden meine Kinder bei mir nicht lernen: Demokratie. Denn ich bin der Monarch und ich habe das Sagen. Obwohl ich mich manchmal schon frage, wer der König ist (und das nicht nur, weil der kleine Autofanatiker gestern mit mir Krippenspiel nachspielen wollte, wobei er einer der Könige war und ich das Kamel...).

Dienstag, 17. November 2009

Warum Schuluniformen auch ihr Gutes haben

Wie den meisten wahrscheinlich schon bekannt ist, gibt es in Großbritannien in den allermeisten Schulen Schuluniformen. Sogar in manchen Kindergärten und Vorschulen geht es damit schon los und je nach Schule kann es dann schon vorkommen, dass die kleinen Jungs ab 4 Jahren mit Schlips unterwegs sind, den sie dann wahrscheinlich erst im Rentenalter wieder ablegen.
Bis vor kurzem hat mir der Gedanke, dass der kleine Autofanatiker ab dem nächsten Herbst auch in eine solche Uniform gezwängt werden wird, geradezu Tränen in die Augen getrieben, so furchtbar finde ich die Idee, Kinder zu entindividualisieren und zu einem Teil einer großen Masse machen zu wollen.
Seit dem letzten Wochenende habe ich aber zum ersten Mal auch etwas Gutes an der Schuluniform entdeckt. Da erwähnte ich nämlich in großer Naivität dem großen Autofanatiker gegenüber, dass der kleine Autofanatiker doch eigentlich mal eine neue Hose benötigen würde. Ich ahnte noch nichts Schlimmes, als die beiden kurz darauf in dem Supermarkt fuhren. Auch als sie gutgelaunt wieder zurückkamen, freute ich mich noch mit ihnen. Erst als sie mir stolz das Ergebnis ihres Einkaufes zeigten, gefror das Lächeln in meinem Gesicht. Die Hose, die sie ausgesucht hatten, ist einfach scheußlich, abgrundtief hässlich, bäh, naja, ihr versteht. Und sie passte auch noch perfekt!
Ich befand mich nun in einem erzieherischen Dilemma. Sollte ich die Hose klammheimlich in den Laden zurückbringen? Sie einfach verschwinden lassen? Oder sollte ich dem kleinen Autofanatiker erlauben, damit auf die Straße zu gehen, mich damit abfinden, diese Hose ständig vor Augen haben zu müssen und möglicherweise Ausschluss aus verschiedenen Mütterkreisen riskieren? Ich hatte eigentlich gedacht, wenn man Söhne hat, muss man den Satz "So gehst du mir aber nicht aus dem Haus!" gar nicht erst in seinen Wortschatz aufnehmen und schon gar nicht im Alter von 3 Jahren. Aber da hatte ich mich offensichtlich geirrt.
Ich versuchte es zunächst mit einem Mittelweg: Bestechung. "Wollen wir nicht diese Hose wieder in den Laden bringen, gegen eine billigere eintauschen und für das Geld bekommst du dafür auch ein Auto?"
"Nein, ich will diese Hose." Ja, was sollte ich da machen. Wenn nicht mal ein Auto locken konnte, musste es ihm ernst sein. Mein mütterliches Herz war hin- und hergerissen zwischen dem Verlangen, mein Kind mit ästhetisch wertvollen Idealen auszustatten und seine eigene Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Am Ende siegte das Letztere, weil den kleinen Autofanatiker die Hose so offenkundig glücklich machte.
Aber, und hier kommen wir wieder auf die Schuluniform zurück, ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass ab dem nächsten Jahr, für den größten Teil der Woche diese Art Diskussion hinfällig werden wird.
Diese Hose allerdings wird wohl noch eine Weile in unserem Haus bleiben. Jetzt erhielt sie auch noch das Gütesiegel von der Mrs, die ihm gestern als erstes dazu ein Kompliment aussprach. Was zählt da noch die Meinung der Mama? Und ratet mal, welche Hose er heute unbedingt wieder anziehen musste? Richtig!

Dienstag, 3. November 2009

Liebe zukünftige Schwiegertochter,

heute möchte ich Dir mal einen Brief schreiben. Natürlich weiß ich nicht, ob Du jemals in unser Leben treten wirst, aber ich kann das ja mal so annehmen. Ich frage mich, wo Du gerade bist. Ob es Dich schon gibt. Vielleicht bist Du gerade erst geboren und hälst ein Mittagsschläfchen. Vielleicht gehst Du ja sogar schon in die Schule. Vielleicht lebst Du gerade auf einer Schaffarm in Australien oder in einem anderen exotischen Ort dieser Welt. Vielleicht kennen wir dich aber auch schon.
Wie dem auch sei, ich möchte Dir jedenfalls versichern, dass ich mein Bestes tue, Dir einen guten und modernen Mann zu erziehen, der in einer gleichberechtigen Partnerschaft mit seiner Frau leben möchte. Nicht immer gelingt mir dies. Neulich spielten wir mit einem Auto, in dem eine Teddyfrau und ein Teddymann saßen. Ich hatte die Teddyfrau hinters Lenkrad gesetzt. Der kleine Autofanatiker berichtigte mich und meinte "Der Teddymann gehört hinters Lenkrad, weil er der Mann ist und der muss Auto fahren." Ja, Autos solltest Du schon mögen, liebe zukünftige Schwiegertochter.
Falls Du jedoch diejenige sein wirst, die sich hauptsächlich um den Haushalt kümmert, dann kann ich Dir zumindest versichern, dass seine Standards, was gute Haushaltsführung angeht, nicht sehr hoch sein dürften. In seinem ganzen Leben habe ich noch keines seiner T-Shirts oder Hosen gebügelt. Wenn Du ihn dahingehend an etwas anderes gewöhnst, bist Du selbst daran Schuld.
Gestern hat er außerdem einen Kommentar abgegeben, der ihm die Herzen aller Frauen einmal zufliegen lassen wird. Ich kochte das Abendessen und er kam in die Küche und meinte "Mama, warum kochst du? Der Mann muss das Essen kochen." Na also, da hast Du es. Vielleicht glaubt er nicht an Frauen hinter dem Steuer, aber dass der Mann in die Küche gehört, hat er schon im Alter von 3 Jahren verinnerlicht.
Zum Dank für diese gute Erziehung wünsche ich mir ein paar Enkelkinder.
Es grüßt Dich herzlich
Deine zukünftige Schwiegermutter

Dienstag, 27. Oktober 2009

Die Mutter, die ich mal sein wollte

Heute waren wir im Supermarkt und ich ertappte mich dabei, wie ich dem kleinen Autofanatiker, der sich nicht vom Spielzeugregal wegbewegen wollte, das Ultimatum stellte: "Wenn du jetzt nicht sofort kommst, wird dir der Weihnachtsmann in diesem Jahr wohl keine Geschenke bringen." Und dann schlug ich mir erschrocken die Hand vor den Mund. War ich etwa eine von diesen Müttern geworden, die ich nie hatte werden wollen? Niemals hatte ich meinem Kind mit dem Weihnachtsmann drohen wollen. Meine Kinder sollten überhaupt auch nie an den Weihnachtsmann glauben (Tun sie auch nicht. Der kleine Autofanatiker antwortete auf die Frage, ob er denn einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreiben würde: "Nein, das sage ich dem Papa. Der kauft das."). Und ganz gewiss wollte ich ihnen nie damit drohen.
Nie wollte ich das machen, hatte ich mir vorgenommen, damals, als ich noch noch keine Mutter war oder gerade erst ein kleines Baby vor mir hatte. Aber dreieinhalb Jahre und zwei kleine Jungs später, muss ich mir eingestehen, von einigen der Ideale musste ich mich verabschieden.
Hier kommt eine kleine Liste der Dinge, die ich als Mutter nie machen wollte - und dann doch gemacht habe.
1. Kleinere Notlügen - niemals wollte ich meinen Kindern Lügen auftischen. Immer wollte ich ihnen alles genau erklären und sie niemals mit einer kleinen Lüge betrügen. Eigentlich stehe ich auch nach wie vor dazu, aber manchmal, ja manchmal, da rutscht einem eben so eine Lüge über die Lippen. Kürzlich zum Beispiel sortierten wir kaputte Spielautos aus. "Wo sind die denn jetzt?" fragte der kleine Autofanatiker. "'Ähm, ich habe die mal eben, ähm, weggeräumt." sagte ich, nicht ohne schamrot anzulaufen, denn schließlich wusste ich, dass ich sie in den Müll geworfen hatte in der Gewissheit, dass der kleine Autofanatiker am nächsten Tag schon nicht mehr danach fragen würde.
2. Trotzanfälle - immer wollte ich ganz ruhig bleiben, wenn denn mein Kind wirklich einmal einen Trotzanfall bekommen würde. Nie würde ich mich von dem Heulen und Schreien erpressen lassen, sondern ganz gelassen reagieren und den Anfall einfach ignorieren. Ich lasse mich zwar wirklich selten von Schreianfällen erpressen, aber ruhig bleiben? Nein, das kann ich nicht immer. Besonders wenn ich müde bin nach einer schlechten Nacht, weil beide Kinder wach gewesen sind. Dann schreie ich auch mal zurück. Stolz bin ich darauf nicht, aber besser fühle ich mich danach eigentlich schon irgendwie.
3. Töpfchen - als ich mit dem kleinen Autofanatiker schwanger war, kaufte ich mir ein Buch, in dem man mit dem Training zum Sauber werden bereits mit 15 Lebenstagen beginnen sollte. Toll, dachte ich, das mache ich. Mit allerspätestens einem Jahr braucht das Kind keine Windel mehr. Tja, den 3. Geburtstag feierten wir immer noch mit Windel, Tag und Nacht. Und als ich mir dann schon Gedanken machte, wie ich denn in der Schule dann immer die Windeln wechseln sollte, hatte sich der kleine Autofanatiker entschlossen, dass er die Windel nicht mehr brauchte und eine Woche später waren wir die Windeln los, Tag und Nacht. Da konnte ich mir noch so viel vornehmen als Mutter, am Ende musste er es selbst wollen.
4. Bestechung - niemals würde ich meine Kinder bestechen. Soll man ja auch nicht. Steht in jedem Erziehungsratgeber. Und ich würde das auch nicht müssen, schließlich würde ich mit meinen Kindern argumentieren. Aber was soll man machen, wenn man zum Beispiel ein Photo für die Weihnachtskarte machen möchte und das Kind möchte einfach nicht mitmachen? Schokolade kann da wahre Wunder wirken. Ja, knallharte Bestechung, ich gebe es zu. Und wenn der kleine Autofanatiker in Zukunft für alles eine Gegenleistung erwartet, dann muss ich mich vielleicht nicht wundern. Aber bis jetzt scheint er gelegentliche Bestechungsversuche schadlos überstanden zu haben.
5. Schokolade, Fernsehen und andere Genussmittel (aus der Süßwarenabteilung und nicht etwa dem Spirituosenregal!) - Schokolade sollte er erst mit 18 kennenlernen, Gummibärchen ebenso und Fernsehen erst recht. Das erste Weihnachtsfest hatten wir gut überstanden, aber dann mit 11 Monaten, zum ersten Ostern, gab es ein Stück Schokolade und von da an ging es eigentlich nur noch bergabwärts. Goldbärchen, Kinderschokolade, Kekse mit Schokoladenguss, alles war dabei. Beim Baby kam der Fall, ich war nun entsprechend ernüchtert, sogar noch eher. Beim Fernsehkonsum nicht viel anders. Niemals wollte ich meinen Kindern die Flimmerkiste erlauben und wenn schon, dann ganz sicher nur ein Programm, dass wir gemeinsam anschauen würden. Aber wenn man einen langen Tag mit zwei kleinen Kindern hinter sich hat, das Baby quengelt, das Kleinkind herumtobt und das Abendessen gekocht werden muss, dann sieht man manches anders und CBBies, der Kleinkindkanal des BBC, eine plötzlich verlockende Lösung.
Sicher gibt es noch mehr ehemalige Erziehungsideale, die ich im Moment vergessen habe oder von denen ich mich in der Zukunft noch verabschieden muss. Bin ich deshalb eine schlechte Mutter? Ich denke nicht. Von den ganz großen Idealen, wie z.B. meine Kinder liebevoll aufzuziehen und ihnen die Wertvorstellungen, die mir wichtig sind, vorzuleben, habe ich mich nicht verabschieden müssen. Ich bin einfach nur in der Realität angekommen. Und in dieser geht es eben nicht immer so ideal zu, wie man sich das vorher ausmalt.

Montag, 29. Juni 2009

Was grosse Maenner von kleinen Maennern lernen koennen

Nun ist es mit der Erziehung von Kindern ja so, dass man ihnen alles Moegliche beibringen moechte. Manches gelingt besser, manches gelingt schlechter. Manches kann man 1000 Mal sagen und es klappt trotzdem nicht. Manches klappt, oh Wunder, dann doch irgendwann. Den kleinen Autofanatiker habe ich zum Beispiel mittlerweile im "Entschuldigung" sagen so gut trainiert, dass er sich nun schon entschuldigt wenn das Baby nur weint auch wenn es gar nicht seine Schuld war (was selten genug vorkommt).

Aber manchmal koennen die grossen Menschen auch etwas von den kleinen Menschen lernen. Da ich ja mit drei Maennern zusammenleben, moechte ich meine Behauptung einmal geschlechtsspezifisch illustrieren. Hier meine kleine Liste, was grosse Maenner so von kleinen Maennern lernen koennen:

1. Toilettengewohnheiten - Kleinen Maennern kann man sehr gut beibringen, auf der Toilette im SITZEN zu pinkeln. Grosse Maenner haben da eher ein kleineres Lernpotential. Der kleine Autofanatiker hat zudem geradezu einen fanatischen Eifer entwickelt, mit der Klobuerste die Toilette auch noch zu saeubern. Ein gutes Vorbild fuer alle grossen und kleinen Maenner! Nur dass er sein Haufchen stolz allen Leuten zeigen moechte, koennte er sich noch abgewoehnen.

2. Spontane Zuneigungsbekundungen - Der grosse Autofanatiker ist bekanntlich Englaender und Englaender sind bekanntlich in der Regel mit einer steifen Oberlippe aber nicht leidenschaftlichem Heissblut gesegnet. Das finde ich auch gar nicht stoerend, nur manchmal koennten sich grosse Englaender von kleinen Englaendern durchaus eine Scheibe abschneiden wenn es um spontane Umarmungen, Kuesschen und andere Zuneigungsbekundungen den naeheren Angehoerigen gegenueber geht.

3. Sich Zeit nehmen und ganz im Moment leben (natuerlich gilt das nicht nur fuer grosse Maenner sondern fuer alle grossen Leute) - manchmal kann dies anstrengend sein (der kleine Autofanatiker z.B. durchlief eine Phase in der jedes Auto auf der Strasse ehrfurchtsvoll und zaertlich angefasst werden musste) aber trotzdem bin ich der Meinung, dass uns Grossen in unserem oft hektischen Alltag und gestresst sein ueber oft nichtige Dinge, solche Momente des Innehaltens, Langsamseins und Einfach-nur-im-Augenblick-Verweilens auch gut tun.

4. Kommunikationsfaehigkeit - Kuerzlich ueberhoerte ich ein Gespraech zwischen der Mutter des grossen Autofanatikers und ihm:

"Wie geht es euch?"

"Gut"

"Und wie geht es dem kleinen Autofanatiker?"

"Gut"

"Und wie geht es dem Baby?"

"Gut"

Was sollte die arme Grossmutter dazu noch sagen? Der kleine Autofanatiker - obwohl nicht unbedingt eines der gespraechigsten Kinder - haette mir auf aehnliche Anfragen ganz bestimmt umfassendere Antworten gegeben (auch wenn dabei eventuell wieder einmal der Toepfcheninhalt Erwaehnung gefunden haette).

Also da gibt es durchaus einiges, wo Kinder mit gutem Beispiel voranschreiten koennen. Und ich nehme gern Anregungen fuer eine Erweiterung der Liste entgegen!