Dienstag, 25. Januar 2011

Haarspalterei

Der große Autofanatiker spricht ja nun kein Deutsch. Der kleine Autofanatiker und das Baby sprechen ziemlich gut Deutsch, auch wenn aus Faulheit gelegentlich jedes zweite Wort Englisch ist. Im Großen und Ganzen sprechen sie aber ganz gut und so kann es schon mal vorkommen, dass der große Autofanatiker beim Abendessen zehn Minuten nichts sagt und wenn ich dann darüber nachdenke, fällt mir auf, ach ja, er versteht ja schon seit zehn Minuten nichts mehr, weil die Kinder ins Deutsche gewechselt sind. Ob ihn das nun stört oder er ganz zufrieden, da in Ruhe, sein Dinner isst, sei dahingestellt.

Die Jahre, in denen ich nun schon ständig in seiner Gegenwart in Deutsch auf die Kinder einrede, sind jedoch auch nicht ganz spurlos und sprachenlos an ihm vorbeigegangen. Denn im Grunde ist es doch so, ganz besonders im Alltag mit Kindern, dass man sich täglich wiederholt. Ich möchte fast behaupten, dass ich 80% dessen, was ich so den lieben langen Tag den Kindern gegenüber von mir gebe, in fast identischer Art am Vortag schon gesagt habe: "Jetzt kommt bitte." "Ziehst du dich jetzt bitte endlich mal an." "Jetzt kommt bitte zum Zähne putzen." "Jetzt kommt endlich zum Zähne putzen!" "Na los jetzt." "Wir müssen in die Schule." "Wir müssen uns beeilen." "Wir sind spät dran." "Abmarsch ins Bett." und so weiter.

Und das versteht mittlerweile auch der große Autofanatiker.

Aber nicht nur mit den Kindern hat man so seine sich wiederholenden Dialoge. Einen Dialog zum Beispiel, den der große Autofanatiker und ich in schönster Regelmäßigkeit führen (und den wir deshalb sicher auch in Deutsch, Spanisch, Mandarin oder in was für einer Sprache auch immer führen könnten), behandelt die Haarlänge unseres jüngsten Sohnes:

Er: Jetzt guck dir doch mal diese Unordnung auf dem Kopf an.
Ich: Er hat wunderschöne Locken.
Er: Er sieht aus wie ein Mädchen.
Ich: Er sieht niedlich aus.
Er: Ich gehe mit ihm zum Friseur.
Ich: Das machst du auf keinen Fall.

Natürlich würde er das auch nicht machen. Zudem habe ich kürzlich auf einer Website für Kindermode feststellen dürfen, dass dort alle Jungs, bis auf einen einzigen, längere Haare hatten als mein Baby. Na also!

Jedenfalls: wiederkehrende Dialoge werden ab jetzt auf Deutsch geführt. Vielleicht versteht der große Autofanatiker dann ja doch noch irgendwann, über was wir uns am Abendbrottisch unterhalten.

Dienstag, 18. Januar 2011

Mutti hatte doch recht

Irgendwann, früher oder später, kommt wahrscheinlich der Zeitpunkt im Leben jeder Frau, an dem sie sich sagen muss: Mutti hatte doch recht!

Während ich mich noch gut an eine Zeit erinnern kann, in der Strumpfhosen und Unterhemden als etwas völlig nutzloses angesehen wurden und es besonders bei den Strumpfhosen lange Diskussionen am Morgen gab, schäme ich mich mittlerweile nicht, zuzugeben, dass ich ohne ein Unterhemd nie das Haus verlassen würde (bei Temperaturen unter 30 Grad Celcius) und auch meine Kinder werden in Strumpfhosen gezwungen sobald sich das Thermometer um die 0 Grad bewegt. Bis jetzt lassen sie es sich noch ganz gutmütig gefallen.

Dabei gibt es hier eigentlich gar keine Strumpfhosen für Jungs. Dass sich das Temperaturempfinden der kleinen (und großen) Engländer von dem der Kontinentaleuropäer unterscheidet, durfte ich in der vergangenen Woche wieder einmal feststellen, als ich vormittags an der Schule vorbeifuhr (Außentemperatur 5 Grad) und dabei den kleinen Autofanatiker und seine Klasse beim Sportunterricht beobachten durfte: die Kinder trugen bis auf zwei Ausnahmen (zu denen übrigens nicht mein kleiner Autofanatiker gehörte, da fließt dann doch zu viel englisches Blut durch seine Adern) kurzärmlige T-Shirts.

Ich kann dabei nur vermuten (wie ich, glaube ich, hier schon an anderer Stelle feststellte), dass es sich um eine Art Lebenstraining handelt, denn wer schon einmal am Wochenende an einem Winterabend in einer englischen Stadt unterwegs war, wird wissen, dass bei der jüngeren Generation Jacken ganz und gar unzulässig sind, besonders bei den Mädchen sollten es schon kurze Röcke und kurze Tops sein, Jungs dürfen immerhin lange Hemden und lange Hosen tragen.

Strumpfhosen jedenfalls gibt es nur für Babies zu kaufen, danach sucht man sie in der Jungsabteilung vergeblich. Glücklicherweiße haben manche Schuluniformen aber dunkelblaue oder graue Strumpfhosen vorgeschrieben, weshalb man dann doch Jungsfarben (wenn auch in der Mädchenabteilung) kaufen kann. Nicht dass ich das dem kleinen Autofanatiker jemals erzählen dürfte.

Ich weiß nicht, ob es etwas typisch weibliches ist, irgendwann zu der Einsicht zu kommen, dass  die eigene Mutter vielleicht doch öfter recht gehabt hat, als man das als Kind und besonders Teenager vermutet hatte, aber als Jungsmutter hoffe ich natürlich, dass auch im Leben meiner Söhne irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem sie sich sagen: Mama hat immer recht. Am Liebsten wäre es mir, wenn dieser Zeitpunkt bereits heute nachmittag eintreffen könnte.

Dienstag, 11. Januar 2011

Gute Vorsätze

Jetzt ist es also wieder Januar. Das Weihnachtsfest liegt schon wieder ein paar Wochen zurück (gefühlte Zeit noch länger). Die ganze Aufregung darum, weil wir es dieses Mal wegen des Wetters nicht nach Deutschland geschafft hatten und deshalb unser erstes englisches Weihnachten gefeiert haben, scheint schon wieder eine alte Geschichte. Auch unser Deutschlandbesuch danach zu Silvester bei eisigen Temperaturen, Bergen von Schnee und Treffen mit lieben Menschen gehört der Vergangenheit an. Sogar die verspäteten Weihnachtsparties, die aufgrund des Wetters ins neue Jahr verschoben wurden, sind nun gefeiert worden.

Was bleibt also im grauen und nassen Januarwetter? Ich würde gern sagen, die guten Vorsätze für's neue Jahr, aber irgendwie kann ich es selbst nicht so ganz glauben. Was habt ihr euch denn so vorgenommen, wenn überhaupt etwas? Und wie sieht es aus mit der Umsetzung?

Ich hatte vor Silvester gleich erst mal ganz vergessen, was ich mir vornehmen wollte, aber mir fiel es dann doch wieder ein: Ich will endlich mal mit den Kindern schwimmen gehen. Schon seit der Geburt des kleinen Autofanatikers nehme ich mir vor, mit ihm ins Schwimmbad zu gehen. Gegangen bin ich bis jetzt kein einziges Mal. Der große Autofanatiker hat beide Jungs jeweils in verschiedenen Urlauben einmal ins Schwimmbad bekommen, aber danach weigerten sie sich.

Selbst leicht schwimmbadtraumatisiert (Herrn Michael in der 3.Klasse, der unwillige Kinder einfach vom Beckenrand ins Wasser schubste, sei Dank), muss ich mich überwinden, den Weg in öffentliche Badeanstalten zu suchen. Und obwohl das sicher nicht vererblich ist, scheint doch etwas auf meine Kinder abgefärbt zu haben.

Jetzt befinden wir uns bereits in der zweiten Januarwoche und es sieht nicht so aus, als würde es meinem guten Vorhaben in diesem Jahr besser ergehen, als so vielen anderen. Meine einzige Hoffnung ist, dass mich die öffentliche Bekanntgabe auf diesem Blog etwas unter Druck setzt, aber Geld würde ich nicht darauf verwetten. Morgen gehen wir jedenfalls erst Mal zum Zahnarzt, das ist genug für diese Woche.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Frohe Weihnachten...

...allen meinen Lesern. Ganz besonders herzliche Weihnachtswünsche auch an alle, denen es geht wie uns und die durch das Wetterchaos ihre Weihnachtspläne ändern mussten. 

Ich freue mich schon auf neue Erlebnisse mit dem Inselvolk  im Jahr 2011, die ich dann weiterhin hier mit euch teilen möchte.

Jetzt ist aber erst mal Zeit für ein Stück Stollen (kann man ja sogar im englischen Supermarkt kaufen) und einen mince pie.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Das war falsch

Gerade fällt mir ein: natürlich handelte es sich in Love Actually um einen Lobster und keinen Octopus! Hatte es schon jemand gemerkt?

Dienstag, 14. Dezember 2010

Ein Oktopus - Krippenspiel auf Englisch

Als vor ein paar Wochen die Rollen für das Krippenspiel in der Schule vergeben wurden, war ich schon ein bisschen aufgeregt, schließlich handelt es sich dabei um unser Erstes in der Schule.
"Welche Rolle hast du denn?", fragte ich daher gespannt am Nachmittag. Insgeheim hoffte ich natürlich schon auf eine von den, naja, von den Wichtigeren eben. Erster Hirte vielleicht oder Josef.

"Ich bin jemand, der nicht auf der Erde wohnt." Aha gut, dachte ich, der Verkündigungsengel, sehr wichtige Rolle und tat innerlich einen kleinen Freudensprung.

"Du meinst, du bist ein Engel?"

"Nein, das ist doch für GIRLS, Mama", meinte er ganz entrüstet.

"Was bist du denn dann?" fragte ich nun leicht verunsichert.

"Na, ich bin so einer, wie heißt das gleich, ein Alien." erklärte er mir ganz zufrieden.

Zu Jesu Geburt waren Außerirdische anwesend?????
 
Wer den Film "Tatsächlich Liebe" kennt, wird vielleicht in diesem Moment an die Szene erinnert, in dem die Tochter von Emma Thompson ihrer Mutter stolz erklärt, dass sie die Rolle des Oktopus bekommen hat. Des ersten Oktopus. Worauf Emma Thompson erstaunt fragt: "There was more than one octopus present at the birth of Jesus?" Ja, anscheinend nicht nur Meeresgetier sondern auch Außerirdische.
 
Vorige Woche war dann die große Aufführung. Und was soll ich sagen? Es war so furchtbar oder schön (je nach persönlicher Einstellung), wie Kinderkrippenspiele eben sind. Ich habe kein Wort verstanden, warum plötzlich Außerirdische auftauchten, war auch nicht ganz klar und die Musik war, nun ja, kindgerecht. Aber das spielte überhaupt keine Rolle. Mein großes Baby stand auf der Bühne. Gut, er wusste die meisten Texte nicht (ich schiebe das mal auf die Windpockenerkrankung) und guckte eigentlich eher ziemlich gelangweilt, aber da war er. Niedlich. Und plötzlich verstand ich die Faszination von Kinderaufführungen. Wenn das eigene Kind auf der Bühne steht, werden auch die langweiligsten Stücke Oscar-verdächtige Vorführungen.
 
Am Donnerstag hat das Baby sein Weihnachtskonzert im Kindergarten. Ich halte die Taschentücher schon mal bereit.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Cry baby

Vor zwei Wochen hatte ich mich ja bereits zu einigen Rätseln der Menschheit, na gut, also in meinem Leben geäußert. Inzwischen bin ich auf ein Weiteres gestoßen, bei dem ich mich frage WARUM??

Und damit meine ich nicht, warum sind hier die Schulen geschlossen, wenn es zwei Flocken schneit oder warum muss man mit Sommerreifen auf eisglatten Straßen fahren. Nein, alle diese Fragen beschäftigen mich nicht so sehr wie diese: warum kann mein kleiner Autofanatiker in ganz normalem Ton mit sämtlichen Menschen (also Vater, Bruder und Freunde, die wir auf dem Schulweg treffen) sprechen, aber sobald er mich sieht, schlägt seine Stimme in diesen weinerlichen Ton um und er klagt mit Tränen in der Stimme und in den Augen "Ich will nicht in die Schule."

Seitdem wir unsere Windpockenferien hatten, die durch zwei Tage schulfrei aufgrund von ein paar Zentimetern Schnee noch verlängert wurden, hat der kleine Autofanatiker keine Lust mehr auf Schule. Gestern jammerte er den ganzen Schulweg über, dass er wirklich überhaupt gar nicht in die Schule gehen wollte, aber sobald wir an der Schule angekommen waren und er seine Freunde sah, verwandelte er sich ganz plötzlich - PING - in ein gut gelauntes Kind und keine Spur mehr von dem kleinen Cry Baby, dass da neben mir her in die Schule geschlichen war.

Natürlich freue ich mich, dass er am Ende doch freudig in die Schule marschierte, aber ich frage mich doch: Warum muss ich das Abflussrohr sein? Wieso kann er einen ganz normalen Satz zu seinem Vater sagen und im nächsten Satz mit mir wieder in weinerlich umschlagen? Sein Vater könnte sicher besser mit dem Gedanken umgehen, dass er unglücklich in die Schule geht, was ja aber auch gar nicht gestimmt hat.

Und ich habe das Gefühl, dass das nicht nur mir mit dem kleinen Autofanatiker so geht. Deshalb hier ein Aufruf: Söhne, erspart euren Müttern das Gejammere, wenn ihr sie lieb habt! Irgendwann ist auch Mütter-Mitleid aufgebraucht.